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Wissenstransfer leicht gemacht

Das Projekt „WissCoach“ der Kieler Universität bietet akademische Experten als Berater für Unternehmen an

 

Kiel – Elfenbeinturm war gestern: Längst bemühen sich deutsche Universitäten wie auch die Christian-Albrechts-Universität (CAU) um einen Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis, von der Uni in die Wirtschaft. Mit dem neuen Projekt „WissCoach“ geht die CAU noch einen Schritt weiter, indem sie ihre akademischen Experten als persönliche Unternehmensberater anbietet.

Zeitnah, individuell und konkret – so verspricht Melanie Korn vom Netzwerk Hochschule und Wirtschaft – soll das Coaching sein, das Unternehmen aus Schleswig-Holstein bei der Aneignung von wichtigem Arbeitswissen unterstützt. Egal, ob eine Firma ihre Mitarbeiter in neuester Technologie schulen will, Kundenprofile geschärft oder neue Kommunikationsformen geschaffen werden sollen: „Wir stellen einen professionellen Berater zur Verfügung“, sagt Melanie Korn. Wo, wann und in welchem zeitlichen Rahmen, das entscheiden die Auftraggeber. Mit dem Angebot will die CAU nach Korns Angaben eine neue Position auf dem Weiterbildungsmarkt einnehmen. Das Pfund, mit dem sie dabei wuchern kann, ist der große Pool von Wissenschaftlern aus allen Themenbereichen.

Zu ihnen gehört auch Sebastian Schmalz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Agrarökonomie und Coach der ersten Stunde. Sein Auftraggeber, die Evangelische Stadtmission Kiel, ist eines von fünf schleswig-holsteinischen Unternehmen, die das Einzelcoaching zum Projektstart von „WissCoach“ gewonnen haben. „Wir wollen unsere Kundenbindung professioneller organisieren“, erklärt Geschäftsführer Thomas Eisenreich. „Customer Relationship Management“ heißt das im Fachjargon – und natürlich kann man sich fragen, warum die Stadtmission als sozialer Dienstleister ausgerechnet einen Agrarökonom zur Seite gestellt bekommt. „Die Stadtmission arbeitet ja auch mit fremden Geldern, die sinnvoll eingesetzt werden müssen, also warum soll sie nicht auch ökonomisch wirtschaften“, erklärt Experte Schmalz. Als Argrarökonom sei er zudem „breit aufgestellt“.

Beispiel Möbelbörse der Stadtmission: „Die Leute spenden ihre Möbel, nehmen uns positiv wahr und wären auch bereit, uns in anderen Bereichen zu unterstützen“, weiß Thomas Eisenreich. Dieses Wissen werde in der Stadtmission aber noch nicht systematisch genutzt – nur ein Punkt von vielen, die Sebastian Schmalz im Einzelcoaching klären soll. Er selbst hat übrigens auch etwas davon. So kann er sein Wissen nicht nur in die Praxis einbringen, sondern erhält auch den Löwenanteil der 200 Euro, die eine 90-minütige Sequenz kostet. Die Sequenzen können nach Bedarf gekauft werden.

Von Carola Jeschke

Artikel Kieler Nachrichten 12_11_2008

Quelle: Kieler Nachrichten, 12. November 2008